Zollkontrolle

Kottbusser Tor, Berlin, 2009








Photos von Merlin

Zollkontrolle ist Schmuggler gegen Zöllner – ein Spiel der Täuschung und Tarnung, der gegenseitigen Beobachtung, der perfiden Kalkulation und der taktischen Zwickmühlen. Ein lebensgroßes Hütchenspiel. Innerstädtisches Grenzpoker.

Als Spielort eignen sich kleine bis mittelgroße öffentliche Plätze mit definiertem Ausgang. Der gesamte Platz muss von einem erhöhten Punkt aus einsehbar sein. Im Rahmen von Winterspielen haben wir eine Fläche unter der U8 verwendet und aus den Fenstern unseres Büros geschaut.

Als Hilfsmittel werden 6 Boulekugeln, 5 Taschen (Rucksäcke, Tüten o. Ä.), 2-3 Walkie-Talkies, sowie optional 1-2 Ferngläser benötigt. Es spielen 2 Teams aus 3 Spielern gegeneinander. Spielrunden sind in 8-minütige Halbzeiten eingeteilt, in denen jeweils ein Team Zöllner und das andere Schmuggler spielt.

Zu Beginn einer Runde begeben sich alle Schmuggler mit ihren Taschen auf den Platz. Sie erhalten 5 der 6 Boule-Kugeln. Am Ausgang des Platzes postiert sich einer der Zöllner mit einer Tasche. Er erhält 1 Kugel, die er in seiner Tasche aufbewahrt. Die beiden anderen Zöllner begeben sich in den Ausguck. Der Zöllner unten kommuniziert über ein Walkie-Talkie mit den Zöllnern oben. Diese beobachten (wenn vorhanden: mit Fernglas) die Schmuggler auf dem Platz und geben dem Zöllner unten Anweisungen.

Sobald die Zeit läuft, versuchen die Schmuggler, möglichst viele Kugeln durch den vom Zöllner bewachten Ausgang vom Platz zu schmuggeln und in ein hinter dem Ausgang eingerichtetes Depot zu bringen. Die Zöllner haben keine Einsicht in dieses Depot und wissen nicht, wieviele Kugeln sich dort angesammelt haben. Alle Kugeln müssen in den vorgegebenen Taschen transportiert werden. Die Kugeln dürfen jedoch auf beliebige Weise zwischen Schmugglern weitergegeben werden und es dürfen beliebig viele Schmuggelversuche unternommen werden. Passanten dürfen mit dem Transport von Taschen beauftragt werden, sofern sie den bewachten Ausgang des Platzes benutzen.

Der Zöllner unten auf dem Platz ist berechtigt, die Taschen zu kontrollieren, die durch den Ausgang getragen werden. Dazu erteilt er Schmugglern oder Passanten, die sich mit Tasche auf den Ausgang zu bewegen, den Befehl, anzuhalten. Ob er die Taschenkontrolle durchführen soll oder die Person unkontrolliert durchwinkt, entscheiden jedoch in letzter Instanz die Zöllner im Ausguck.

Diese Entscheidung ist der Kern des Spiels – denn sie ist riskant. Findet der Zöllner in einer Tasche Kugeln, werden sie konfisziert und in der Tasche des Zöllners gesammelt. Findet er jedoch bei einer Kontrolle keine Kugeln, muss er sich für seinen Fehler entschuldigen. In diesem Moment gelingt es dem Schmuggler, seine leere Tasche gegen die Tasche des Zöllners mit den bereits konfiszierten Kugeln auszutauschen und über die Grenze ins Depot zu befördern. Je mehr Kugeln die Zöllner also bereits konfisziert haben, desto riskanter werden ihre Kontrollen.

Am Ende der Halbzeit werden die erfolgreich geschmuggelten und konfiszierten Kugeln den jeweiligen Teams als Punkte gutgeschrieben, der Zwischenstand bekannt gegeben und die Positionen gewechselt.